Umwelt und Tiere

Bericht  22.07.2015  by Markus Zechmann (Teammitglied)



Tierschutz endet nicht

an der Wasseroberfläche

 

Jedes Mal, wenn ich an meiner schönen Würm entlanggehe – ganz gleich, ob als Angler, in meiner Tätigkeit als staatlich berufener Fischereiaufseher oder einfach als naturverliebter Spaziergänger – freue ich mich über die Vielfalt von Flora und Fauna an meinem Hausgewässer: Blauflügel-Prachtlibellen (Calopteryx virgo) umschwirren meinen Kopf, während ich gebannt ein verliebtes Gänsesäger-Pärchen beobachte. Einträchtig schwimmen die beiden Flügel an Flügel durch den stillen Fluss und suchen nach Nahrung. Dabei lassen sich die beiden auch nicht von dem Biber stören, der knurpsend an ein paar im letzten Sturm umgefallenen Baumstämmen mümmelt, oder von den jungen Forellen, die unter der Brücke scheinbar Fangen spielen …

 

 


 

Es macht mich traurig (und zuweilen auch ganz schön wütend!), dass nicht alle Besucher der Würm so achtsam sind und sich ohne Einmischung oder Störung an der Natur erfreuen können. Hier liegen zerbrochene Glasflaschen im flachen Wasser, dort hängt Plastikmüll im Ufergebüsch und an den Stromschnellen türmen sich gar die Phosphatschaumberge wie ein kleines, aber mächtiges Gebirge auf. Die Natur ist für alle da, denke ich dann oft, aber wer kümmert sich um die Natur?



Beim Angeln komme ich sehr häufig mit Spaziergängern ins Gespräch. Meist sind es Rentner, die sich langweilen, und froh darüber sind, dass ihnen endlich mal jemand zuhört. Oft verwickeln mich aber auch junge Familien in Diskussionen über das Angeln, die Würm und den Rest der Welt, was mir sehr viel Spaß macht. Gerade die Kinder kennen keinerlei Berührungsängste, wenn ich einen Fisch gefangen habe. Aufgeregt kichernd springen sie auf mich zu und betteln darum, mir beim Landen helfen zu dürfen. Neugierig hopsen sie um mich herum, wollen meine Beute, das für sie in Zeiten von panierten Fischstäbchen und –nuggets fremd gewordene Tier, genau angucken, erschnuppern und befühlen. Denn die Fische in der Würm sehen so ganz anders aus als die im kalten Eisbett lagernden Tiere beim Fischhändler oder gar die vakuumierten geräucherten »Portionsforellen« beim Discounter ...




 

Gern nehme ich mir die Zeit, um den Kindern und ihren Eltern etwas über die wundervolle Wasserwelt zu erzählen. Aal, Äsche, Bachforelle, Aitel, Döbel, Saibling und Hecht ... – die wenigsten Menschen können sich vorstellen, dass in Bayern über 95 verschiedene Fischarten zu Hause sind! Jede Art hat ihre eigene Geschichte, ihre eigenen Bedürfnisse, ihren ganz eigenen, spannenden Lebenszyklus. Sauberes, sauerstoffreiches Wasser brauchen sie alle! Die Fische fesseln nicht nur mich, sondern auch meine »Schultergucker«, wenn ich ihnen darüber aus meinem zugegebenermaßen noch jungen Wissensschatz als Angler und Fischereiaufseher berichte.

 

Nicht selten werde ich bei solchen Begegnungen auch auf den allgegenwärtigen Müll angesprochen. Gar nicht einmal anklagend, wie man vielleicht vermuten könnte, weil selbst für viele Nicht-Veganer »die Angler« automatisch die Umweltverschmutzer und »die Bösen« sind, sondern besorgt und interessiert:

 

»Wieso quellen die Mülltonnen über?«


»Warum schwimmt so viel Dreck

im Wasser?«


»Was kann man dagegen tun?«

 

Für mich ist es sinnvoll investierte Zeit, wenn ich den fragenden Menschen zuhöre und ihnen nach bestem Wissen und Gewissen Antworten gebe. Und ihnen zeige, wie einfach es im Grunde ist, unsere einheimische Tierwelt zu schützen – ohne dass dabei das eigene Freizeitvergnügen zu kurz kommt!

 

Während ich diese Zeilen schreibe, erinnere ich mich an ein Erlebnis in der vergangenen Woche, als mich eine Mutter in Begleitung ihrer kleinen Tochter auf die »ekligen Schaumberge« ansprach, die sich in der Würm vor dem Wehr und größeren Steinen auftürmte. Ich warf gerade meinen Köder aus, als ich von der Dame angesprochen wurde:

 

»Entschuldigen Sie bitte, dürfte ich sie etwas fragen?«

 

»Selbstverständlich«, antwortete ich, während ich meinen Köder behutsam wieder einkurbelte und mich umdrehte. Vor mir stand eine gut gekleidete Frau mit ihrem Kind, die beide mit deutlich angewidertem Gesicht abwechselnd auf mich und die Schaumberge blickten.

 

Innerlich seufzte ich und hoffte, dass vor mir keine Angelgegner standen. Ganz offen? Es macht keinen Spaß, wieder und wieder erklären zu müssen, warum ich angle! Ich esse bereits seit Jahren kein Fleisch mehr außer Fischfleisch. Und den Fisch, den ich esse, fange ich entweder selbst oder bekomme ihn von meinen Angelfreunden. Doch ich will nicht abschweifen: Warum ich angle, erzähle ich euch gern ein andermal, an anderer Stelle.

 

Zum Glück ging es diesmal nicht um mich, sondern um das Thema

 

Umweltverschmutzung:

 

»Können Sie mir sagen, was das ist?«, fragte die Frau und deutete auf den Schaumberg vor uns.

 

Ich war mir nicht sicher, ob sie die Antwort wirklich wissen wollte. Doch was sein muss, muss sein! Und so antwortete ich ihr nach kurzem Zögern ehrlich:

 

»Klar – das sind Abfallstoffe aus den herkömmlichen Körperpflegeprodukten wie Shampoo und Co. Klärwerke sind leider nicht in der Lage, alle Schadstoffe herauszufiltern und so landet der ganze Restmüll in unseren Gewässern und bildet diesen Schaum.

 

Nicht schön, aber eine traurige Tatsache. Oder um es mit anderen Worten zu sagen: Was Sie hier sehen, sind die Überbleibsel des Duschens, Badens und Haarewaschens der Münchner Bevölkerung.«

 

 

Während ich diese kurze Erklärung gab, weiteten sich die Augen der Spaziergängerin. Ihr Blick wandelte sich von ungläubig über erschrocken zu entsetzt. Ich konnte sehen, wie es in ihrem Kopf ratterte, während sich ihre Gedanken überschlugen. Gelassen sah ich sie an und wartete auf weitere Fragen.

 

Plötzlich ertönte das helle Stimmchen ihrer Tochter: »Mama, ich will nie, nie, nie wieder mit dem Ekelschaum gewaschen werden!« Lautstark und entschlossen.

 

Es schien, als habe das Kind instinktiv etwas begriffen, was ich der Mutter erst noch erklären musste.

 

Lange unterhielten wir uns noch über die Möglichkeiten, auf umweltbelastende Stoffe in herkömmlichen Kosmetika zu verzichten, ohne dabei den Geldbeutel zu strapazieren oder sich ausschließlich mit der Lavaerde Marokkos zu waschen.

 

Was, nebenbei gesagt, keine schlechte Alternative für Haut, Haar und Umwelt ist!

 

Auch das kleine Mädchen brachte sich dabei immer wieder interessiert ins Gespräch ein und stellte für ihr Alter sehr kluge, pfiffige Fragen, die ich ihr sehr gern und kindgerecht beantwortete.

 

Schließlich bedankten sich die beiden bei mir für das Gespräch und verabschiedeten sich herzlich. Ob die Familie inzwischen die Wahl ihrer Pflegeprodukte umgestellt hat oder nicht, kann ich leider nicht sagen – aber eines ist gewiss: Ich habe Mutter und Tochter zum Nachdenken angeregt. Und ich hoffe, dass beide die richtigen Schlüsse aus unserem Gespräch gezogen haben. Tier- und Naturschutz hören nicht an der Wasseroberfläche auf – und fangen auch nicht erst beim Spaziergang an der Würm oder beim Badeausflug an. Sondern bereits daheim, beim morgendlichen Besuch im Badezimmer!

 

Wann habt ihr das letzte Mal auf die Inhaltsstoffe eurer Pflegeprodukte geachtet? Und euch darüber Gedanken gemacht, warum euer Badesee oder der Fluss hinter eurem Haus so »schaumig« ist?

 

 

Ich freue mich wie meine Blog-Gastgeberin Katrin über eure Rückmeldungen und Kommentare!

 

Euer Markus

 

Dein Bericht ist super und zugleich auch so wahr , vielen Dank ! LG Katrin

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Katrin H. (Mittwoch, 22 Juli 2015 21:04)

    Ich bin auch gerne in der Natur und ich lege sehr viel Wert auf Nachhaltigkeit

  • #2

    Maria W. (Dienstag, 03 November 2015)

    Ein sehr schöner und wahrer Bericht ! Vielen Dank dafür